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Nusa Lembongan: so erleben wir die letzten Tage

Zürich, Schweiz | Juli 2023 | Autor: Dominik | Bilder: Andrea
  

Es herrscht reges Treiben in der Ankunftshalle des Flughafens Denpasar. Zahlreiche Menschen warten auf ihr Gepäck oder ihre ankommenden Liebsten. Draussen schlängelt sich der hektische Verkehr auf den mehrspurigen Strassen in Richtung Innenstadt. Kaum Grün, dafür viel grauer Beton, welcher die Strassen säumt. Der Kontrast zwischen Bali und Flores erscheint uns riesig. Mit „Grab“ geht es innert 30 Minuten zum Hafen von Sanur. Ticket für das Speedboat gekauft und schon sind wir auf der Überfahrt nach Nusa Lembongan. Das Schnellboot fährt mit hohem Tempo durch die mehrere Meter tiefen Wellentäler. Mit dieser Geschwindigkeit ist die Insel Nusa Lembongan lediglich eine halbstündige Bootsfahrt von Bali entfernt. Die wenige Minuten dauernde Taxifahrt zu unserer Unterkunft kostet gleich viel, wie in Flores zwei Stunden Bus zu fahren. Aber so viel vorneweg – Nusa Lembongan wird sich als einen tollen letzten Stopp unserer Reise erweisen. 

 

Die Klippen rund um die Sandy Bay und den Dream Beach sind eindrucksvoll. Zum Sonnenuntergang brechen die hohen Wellen unter lautem Getöse an die Felswände. Das Wasser schäumt und der Duft von Meersalz ist omnipräsent. Ein Spektakel; während die hinter den Bergen Bali’s „versinkende“ Sonne einen leuchtend orangen Himmel zurücklässt. Diese Eindrücke lassen sich gut bei einem Nasi Goreng oder Mie Goreng verdauen. Dafür stehen im Südwesten von Nusa Lembongan zahlreiche leckere Warungs zur Auswahl. Die Erkältung von Andrea und die Reise von Flores nach Nusa Lembongan lassen uns in unserem Bungalow früh zu Bett gehen. Unsere Unterkunft „Shacks at Sandy Bay“ verfügt über einen schönen kleinen Pool, an welchem wir das reichhaltige Frühstück geniessen. Um noch etwas mehr Energie zu tanken, lassen wir uns eine Stunde im Massagesalon namens „Edelweiss“ verwöhnen. Mit langen Fingernägeln massierend und während der Massage Telefongespräche führend, tastet sich die Masseurin jedoch nicht an die Schweizer Qualitätsstandards heran. Unsere ersten Tage auf Nusa Lembongan verstreichen mit dem Schreiben von Bewerbungen, Andrea’s Meditationsweiterbildung, dem Sichern von Reisebildern, Planschen im Pool sowie beim Wellenspringen am Dream Beach. Wir geniessen die Abwechslung zwischen dem westlichen Essen im Sandy Bay Beach Club und der einheimischen Küche in den umliegenden lokalen Restaurants. Lediglich der Transport auf der Insel stellt sich ohne Roller einmal mehr als herausfordernd dar. Da entdeckt Andrea eine Velovermietung. Mit den Leihfahrrädern erkunden wir den Nordosten der Insel. Viel dichter bevölkert gibt es dort zahlreiche Kaffees, Restaurants und einige Geschäfte. Wir spazieren am dortigen Strand entlang, schlemmen ein Affogato und besuchen eine weitere, dieses Mal leider eher schlechtere, Yogastunde. Am Abend überrasche ich Andrea mit einem Nachtessen direkt am Strand. Mit dem Blick aufs Meer hinaus die Füsse in den Sand zu vergraben und gleichzeitig einen leckeren Burger zu essen, werde ich definitiv vermissen. 

Nach einigen Tagen im Südwesten von Nusa Lembongan wechseln wir in ein Hotel etwas nördlicher auf der Insel. Von der Unterkunft namens Jenggala Hill aus haben wir einen wunderschönen Ausblick über Nusa Lembongan bis auf das Festland von Bali. Am ersten Abend in der neuen Unterkunft haben wir uns mit einem Freund aus der Schweiz verabredet, welcher mit seiner Partnerin und einer Kollegin zufällig ebenfalls auf Nusa Lembongan ist. Wir verbringen mit ihnen einen lustigen Abend bei Reis und Bier. Am darauffolgenden Tag läutet der Wecker früh morgens. Nach zwei gewöhnungsbedürftigen indonesischen „Gipfeli“ inklusive Schokoladensauce und einem Fussmarsch über die Insel besteigen wir etwas hungrig das kleine lokale Boot zur Insel Nusa Penida. Glücklicherweise kommen wir früher als mit unserem Fahrer vereinbart auf Nusa Penida an. So reicht es für Fried Rice und einen starken balinesischen Kaffee. Auf Plastikstühlen sitzend direkt am Strand serviert, kann ich mir kein besseres Frühstück in Asien vorstellen. Um 9 Uhr treffen wir unseren Fahrer. Er bringt uns über holprige, enge und kurvenreiche Strassen zum berühmten Kelingking Beach. Oberhalb einer steil abfallenden Klippe ist die Sicht über das offene Meer wunderschön. Eine Affen-Familie posiert für Bilder. Dieser tolle Ort ist kein Geheimtipp. Wir schlängeln uns durch die Touristenmassen in Richtung einer langen Treppe, welche hinunter zum Strand führt. Nach einigen Minuten werden die angenehm zu gehenden Treppenstufen durch einen steinigen Pfad abgelöst. Der im steil ins Meer abfallenden Gelände angelegte Pfad ist schmal. Regelmässig muss mit Hilfe von installierten Drahtseilen ein wenig geklettert werden. An verschiedenen Stellen stauen sich die Leute. Mit dem Pfad überforderte und teils unpassend ausgerüstete Besucher verursachen an einigen Passagen längere Wartezeiten. Insgesamt benötigen wir rund 45 Minuten, bis wir unten in der Bucht angelangt sind. Doch es lohnt sich! Meterhohe türkisfarbene Wellen brechen am Strand, welcher aus weissem feinen Sand besteht. Hohe Felswände umranden die vegetationsreiche Bucht. Ein Traumstrand! Wir baden die Füsse in den Ausläufern der kräftigen Wellen, schiessen einige Bilder und geniessen die Schönheit der wilden Natur. Für den anspruchsvollen Aufstieg ist erneut Geduld gefragt. Oben angelangt bringt uns der Fahrer zu den nächsten Sehenswürdigkeiten: dem Angel's Billabong und Broken Beach. Ersteres ist ein von der Natur geschaffenes Pool inmitten von Felsen. Wellen füllen den Pool mit Meerwasser. Als ich den Fuss in den Felsen-Pool setze, werden die wenigen Badenden aus dem Becken gerufen. Der Wellengang wurde stärker, was dazu führen kann, dass man mit einer Welle aus dem Pool aufs offene Meer gezogen wird. Ein kürzlich geschehener Unfall mit Todesfolge zeigt, wie nahe ein unscheinbares Unglück auch an paradiesischen Orten lauern kann. Am wenige Meter entfernten Broken Beach, welcher aufgrund eines hohen Felsbogens bekannt wurde, zeigt sich uns im Wasser eine grosse Schildkröte. Entspannt sonnt sie an der Wasseroberfläche und taucht hin und wieder unter. Dem schönen Tier könnten wir stundenlang zuschauen. Doch der Magen knurrt. Wir finden ein herziges Restaurant. Das gleich daneben liegende „Ritiseili“ muss von Andrea natürlich getestet werden. Gestärkt mit Pommes und einem Mie Goreng bringt uns unser Fahrer zurück an den Hafen der Insel Nusa Penida. Vor der Rückfahrt entdecken wir zwei am Strand liegende Schweine, deren Beine mit einem Strick zusammengebunden sind. Die Tiere quicken lautstark und versuchen verzweifelt ihre Fesseln abzustreifen. Die herumstehenden Männer verraten uns, dass die Schweine zur Schlachtung transportiert werden. Dieser Umgang mit den Tieren bestärkt uns darin, auf unserer Reise bewusst auf Fleisch zu verzichten. In Gedanken an die Schweine versunken, zeigt sich auf dem Boot in Richtung Nusa Lembongan erstmals der Mount Agung in der Ferne. Der höchste und heiligste Vulkan Bali’s ist mit seinen 3‘031 Metern Höhe ein eindrucksvoller Anblick. 

 Am nächsten Morgen besteigen wir erneut ein Boot. Wir machen uns mit einer kleinen Gruppe Schnorchler auf den Weg zum Manta Point an der Küste vor Nusa Penida. Der Wellengang auf der Fahrt ist stark. Mehrmals schlägt das kleine Boot nach einem Wellenberg hart auf dem Wasser auf. Andrea ist nicht ganz wohl zumute. Der Manta Point befindet sich unterhalb von senkrecht aufragenden Klippen. Das Meer ist rau; hohe Wellen schlagen an die Felswände. Mir ist es etwas mulmig ins Wasser zu springen. Ich überwinde mich; benötige jedoch einige Minuten, um mich im tiefen und unruhigen Gewässer wohlzufühlen. Dann erscheint er aus der Dunkelheit des Ozeans: ein mehrere Meter grosser Manta Rochen. Das unbehagliche Gefühl ist sofort vergessen. Elegant schwimmt der Rochen um einen grossen Felsen, welchen die Tiere gemäss unserem Guide zur Mundhygiene nutzen. In regelmässigen Abständen erscheint ein Manta Rochen nach dem anderen. Die zweite Begegnung mit diesen wunderschönen Tieren auf unserer Reise ist erneut atemberaubend. Zu beobachten, wie die Manta Rochen mit ihrer Spannweite von 6 bis 7 Meter in aller Ruhe wenige Meter unter einem hindurchgleiten, ist ein unbeschreibliches Gefühl. Es sind unvergessliche Augenblicke, welche wir am Manta Point erleben dürfen. Unterdessen sind mehrere Boote am Manta Point eingetroffen. Leider versuchen einige der Schnorchler den Tieren bewusst sehr nahe zu kommen. Doch die Tiere lassen sich nicht aus der Ruhe bringen. Auf der Fahrt zum nächsten Schnorchel-Spot hat Andrea diese Eigenschaft von den Rochen bereits übernommen und geniesst die Bootsfahrt trotz unverändert hohem Wellengang: Sie vertraut. In einer ruhigen Bucht schnorcheln wir im klaren Wasser mit vielen bunten Fischen und erfreuen uns ab den farbigen Korallen. Wir versuchen möglichst tief zu tauchen, während der Guide Fotos von uns schiesst. Der dritte Halt an diesem Morgen verzaubert uns mit einem der schönsten Riffe auf unserer Reise. Wir lassen uns von der Strömung treiben, beobachten Fische in allen Farben und Formen und tauchen mit den zahlreichen Meeresbewohnern um die Wette. In diese Welt unter der Wasseroberfläche haben wir uns auf unserer Reise definitiv verliebt. Nach diesen unvergesslichen Stunden stärken wir uns mit Avocado Toast im Bonzer Kaffee und einem gemütlichen Nachmittag. Den Abend verbringen wir in einer nahegelegenen Bucht. Im dortigen „Nila’s Warung“ essen wir mit Sicht auf den Ozean leckeren gebratenen Reis. Was für ein Tag! 

 

Die vielen Eindrücke der vergangenen Tage verarbeiten wir an einem ruhigen Sonntag: gemütliches Morgenessen im Strand-Kaffee namens „Lago“ (natürlich mit einer Smoothie Bowl), einer tollen Massage im „Ulian Spa“ und einem schmackhaften vegetarischen BBQ im „Tigerlillys“ direkt am Strand mit den Füssen im Sand und der untergehenden Sonne im Gesicht. Kurz nach den ersten Sonnenstrahlen des kommenden Morgens sind wir bereits wieder am Strand. Wir besteigen mit einem weiteren Gast aus Paris und unserem Guide das Boot – mit dabei: vier Surfbretter. Die nächsten zwei Stunden verbringen wir bei perfekten Bedingungen auf und in den Wellen von Nusa Lembongan. Nach zwei misslungenen Versuchen steht Andrea eine Welle nach der anderen. Das tolle Gefühl des Wellenreitens wechseln sich mit dem anstrengenden Paddeln durch die starken Strömungen ab. Es macht richtig Spass! Daran ändert auch meine schmerzende Nase nach einem Sturz und Zusammenprall mit dem Brett nichts. Das anschliessende Fried Rice lässt alle körperlichen Leiden vergessen. Am letzten Tag auf Nusa Lembongan lassen wir uns nochmals mit einer Massage verwöhnen, kaufen einige Andenken und albern im Pool unserer Unterkunft herum. Zum Apéro fahren wir zu einem Floss, auf welchem eine Bar eingerichtet wurde. Wir geniessen den Sonnenuntergang bei lauter Partymusik und der Begegnung mit einigen ziemlich betrunkenen Australiern. Die Ruhe kehrt beim Nachtessen am Strand zurück. Das „Nila’s Warung“ verwöhnt uns ein letztes Mal mit einem leckeren Fried Rice. 

 

Die Insel Nusa Lembongan ist ein wunderschöner Abschluss unserer Reise. Der lebendige Insel-Vibe, die einfache Infrastruktur, die freundlichen Menschen, die wunderschöne Natur und das leckere Essen erinnern uns stark an die erste Insel unserer Reise: Siargao auf den Philippinen. Danke Nusa Lembongan, hast du unsere Reise bereichert und die Brücke zu Siargao geschlagen.